Eine wahre Fabel ... und ihre Fortsetzung ...
von Patrizia Zanetti


Ich bin Patrizia.
Juwelengoldschmiedemeisterin.
Ich arbeite seit 1986 im Goldschmiedehandwerk.

Ein paar Jahre hatte ich meine kleine Goldschmiede vom Wohnort getrennt.
Doch da Kreativität sich nicht an Arbeitszeiten hält, bevorzugte ich es schon immer, zu Hause arbeiten zu können.
So lebe ich in einer Wohnung, in der auch meine Goldschmiedewerkstatt ist.

Eines abends sitze ich beim Abendbrot in meiner Küche und wundere mich, als plötzlich ein seltsames Fiepen aus der Werkstatt zu hören ist.
Ich ging hinüber und lauschte und hörte ein zartes Weinen, oder das Fiepen einer Maus.
Ich öffnete eine Schranktür nach der anderen und in der Tat, das Fiepen kam aus dem Schrank mit den Wachsblöcken, welche ich zur Anfertigung von Figuren gebrauche.

Oh je dachte ich bei mir eine Maus in der Werkstatt bedeutet, eine Maus in der Wohnung.
Wir hatten erst die Mäuse im Keller verjagt. Sollten diese nun in eine bessere Umgebung umgezogen sein ? Nämlich in meine Wohnung ??
Müsste ich wieder Fallen aufstellen und Mäuse umsiedeln ???

Ich machte die Schranktür wieder zu, um erst mal fertig Abend essen zu gehen.
Doch als ich aus dem Zimmer gehen wollte, hörte ich ganz deutlich eine zarte Stimme sagen Hol mich hier raus bitte hol mich hier raus !
Au weia jetzt hat`s mich voll erwischt ! dachte ich bei mir. - Jetzt hast Du schon Hallos !
Also rief ich hallo ? ... ist da wer ??
Hilf mir bitte kam wieder das Stimmchen aus dem Schrank, wie mir schien hol mich hier raus !

Ich öffnete erneut die Schranktür, sagte nochmal hallo, wer ist denn da ?
Und während das Stimmchen immer wieder flehte hol mich doch bitte hier raus, befreie mich aus diesem dunklen Block,
hielt ich mein Ohr an die Wachsblöcke und siehe da, die Stimme kam ganz eindeutig aus einem Wachsblock !



Sofort nahm ich den Quader und begann, ihn zu zersägen.
Die Stimme unterstütze mich, sagte ständig, welche Ecke ich noch abschneiden soll, wo ich fräsen, bohren und feilen soll.

Ich konnte es kaum fassen und doch war ich mir sicher, dass in diesem Wachsblock eine Maus gefangen sein musste.
Doch wie kam sie da rein und seit wann kann ich Mäusesprache oder konnte die Maus tatsächlich unsere Menschensprache ?
Ich arbeitete weiter daran, das gefangene Wesen aus dem Wachs zu erarbeiten und langam entstanden erste Konturen.



Doch die Maus schien Hörner auf dem Kopf zu tragen. Eine Maus mit Geweih ! Vielleicht eine Weihnachtsmaus ?


Oder sollte Douglas Adams doch recht behalten und wir sind nur die Versuchskaninchen der Mäuse im All ??
Oder war es eine Maus aus einem Genlabor ? Hat man nach der Schwiege und dem Schaf Dolly nun die Rentiermaus entwickelt ??

Ich arbeitete weiter und siehe da, mehr und mehr kam der Kopf eines Hirsches aus dem Block.


Die Stimme wurde deutlicher, tiefer, stärker. Ja, Du schaffst es , sagte sie ich wusste doch, dass ich bei Dir richtig bin. Dass Du mir helfen wirst !

Nun war klar : es war keine Maus, es war ein Hirsch.


Ein echter Hirsch in meiner Goldschmiedewerkstatt.
Und wie ich dem kleinen Tierchen noch die letzten Wachsreste aus dem Gesicht schnitze, schaut es immer freundlicher und zufriedener und seine Stimme wird ruhiger und dankbarer.


Du hast mich gefunden und geschaffen sagte der kleine Hirsch.
Nun trag mich in die Welt hinaus, dass ich allen Menschen von uns erzählen kann.

Gerne, Du edles Tier antwortete ich dem kleinen Hirsch. Wer Dich auf Händen tragen möchte, soll dies tun können !


Und promt bekam der Hirsch Gefährten,

welche sich alle auf ihre neuen Hirschbesitzerinnen freuen.


November 2015, Patrizia Zanetti, Ur³-Ahnin von Meister Geppetto

Mit dem Kauf eines Schmuckstücks von Zanetti-Pet unterstützen Sie indirekt den Tier- und Umweltschutz durch unsere Spenden.



und dann kam Romy !
die Fabel geht weiter und noch immer von Patrizia Zanetti


Wie ich es bereits erzählt habe, ist Leopold - der Hirsch bei mir eingezogen.
Ich habe mir wirklich Mühe gegeben.
Habe ihn umsorgt, gehegt und gepflegt, doch er lässt sich nun mal auch gerne auf fremden Damenhänden tragen.

Noch lieber legt er sich auf warme kuschlige Decoltees diverser Damen. Und je mehr Decoltees er schmücken darf, desto lieber ist es ihm.
Er ist eben ein echter Hirsch - der Leopold.

Nun, da einige Leopolds meine kleine Goldschmiede besucht hatten, gehe ich meiner normalen Arbeit wieder nach.

Doch wie ich da sitze und arbeite, höre ich ein Stimmchen Leopolds Namen rufen.
"Leopold - wo bist Du ? Leo ... Poldi ... wo bist Du nur ?"
Ich arbeite stur weiter. Das kann ja nicht sein, dass Frau X, Frau Y oder Frau Z
(aus Datenschutzrechtlichen Gründen kann und will ich hier die Namen meiner Kundinnen nicht preis geben )
ihren Leopold haben laufen lassen.
War jemand mit ihm auf der Wiesn und hat ihn am Maß nippen lassen, so dass er abgehauen ist?
Und hatte ich nicht genau davor gewarnt ?!

Und wieder die Stimme: "Leopold - so antworte doch !".
"Wer ruft denn hier ?!" schreie ich entnervt.
"ICH - die Romy!!!" schreit es mit leicht aggressivem Unterton zurück.
"Und wer ist R o m y ??" frage ich.
"Na Leopolds Freundin !" kam zur Antwort.
"Ach ! Und wo bitte bist Du ??"
"Na im Wachsblock, dort wo auch Leopold war, bevor Du ihn mir weggenommen hast !"
Der Vorwurf war nicht zu überhören.
"Also bringst Du mir den Leo zurück oder holst Du mich hier raus ?!" - frage das Stimmchen im Befehlston.
"Gut gut - hol ich Dich eben auch aus dem Wachsblock !" rufe ich und mache mich an die Arbeit.

Diesmal ging alles schneller, weil ich es ja nun schon gewohnt bin, Tiere aus meinen Wachsblöcken im Werkstattschrank zu befreien.
Aber als Romy dann strahlend auf meinem Goldschmiedetisch lag schaute sie mich an und fragte: "ja und wo ist nun der Leopold ?"
"Nun ja ... " ich versuchte, es ihr vorsichtig beizubringen "er hält sich meist auf Damenhänden oder in Damendecoltees auf
- aber es ist nicht so, wie Du jetzt denkst !"
Dass ich selbst mal daherrede wie ein fremdgehender Ehemann, hätte ich auch nie gedacht !
" was meinst Du mit Decoltees ?! " fragte Romy " Du willst mir doch nicht erzählen,
dass er MICH für ein Menschenweibchen sitzen lässt ???!"
"Weisst Du - liebes Rehlein - für Geld machen selbst Hirsche so einiges" antworte ich.
"Aber auch Du kannst zu Ruhm und Ehre kommen, wenn auch Du die Ausschnitte, Halsbänder oder Ringe von modebewussten,
attraktiven Damen schmücken möchtest" sage ich.
Romy ist begeistert und vielleicht begegnet sie so auch ihrem Freund, dem Hirschen Leopold.

Auf dass viele nette Damen sich das glückliche Päärchen als edle Haustiere halten mögen.


Oktober 2016, Patrizia Zanetti, Ur³-Ahnin von Meister Geppetto

Mit dem Kauf eines Schmuckstücks von Zanetti-Pet unterstützen Sie indirekt den Tier- und Umweltschutz durch unsere Spenden.



P.S.: Nachtrag der Schreiberin:
Das Reh ist nicht die Frau vom Hirschen.
Die Frau des Hirschs ist die Hirschkuh und der Mann vom Reh ist der Rehbock.
Wie im echten Leben eben ...
Nähere Ausführungen bitte selbst in Wikipedia nachlesen.

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